Newsletter November 2015

Fundraising-Erfolge: Kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen

Knapp 14,5 Milliarden Euro sammelten Beteiligungsfonds aus der DACH-Region in den vergangenen 21 Monaten ein. Rund 1,34 Milliarden Euro entfielen dabei auf Venture Capital-Fonds. Positiv dabei ist, dass es einer steigenden Zahl an Wagniskapital-Gesellschaften gelingt, Vehikel im dreistelligen Millionenbereich zu platzieren. Kann die Branche sich also zufrieden auf die Schulter klopfen und sich auf goldene Zeiten einstellen? Jein.

Sicherlich ist die Tatsache, dass sich inzwischen auch institutionelle Anleger einer Anlageklasse öffnen, in der sie bislang kaum bis gar nicht investiert waren, nicht alleine dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld und dem damit verbundenen Anlagedruck geschuldet. Vielmehr ernten die Fondsmanager aktuell die Früchte ihrer Arbeit in den letzten Jahren: wer mit vernünftigem Track Record ins Fundraising geht, wird Kapitalzusagen erhalten. Gleichzeitig ist an die Allokationen aber auch die Erwartung geknüpft, dass die erfolgreiche Arbeit in Zukunft fortgesetzt wird. Und hier kommen die Herausforderungen ins Spiel.

Nach wie vor herrscht in Deutschland ein klarer Kapitalmangel im Bereich der Finanzierungsrunden von 5 bis 15 Millionen Euro – der vielbesprochene Series A-Crunch. Mit den höheren Fondsvolumina eröffnet sich nun die Möglichkeit, diese Lücke ein Stück zu schließen. Dazu kommen das gestiegene Interesse ausländischer Venture Capital-Gesellschaften an deutschen Jungunternehmen (nicht nur aufgrund der moderaten Bewertungen hierzulande, insbesondere im Vergleich zu den USA) und die Initiativen der öffentlichen Hand in diesem Bereich, sei es durch den neugeschaffenen Wachstumsfonds Bayern oder den angekündigten 500 Millionen Euro schweren Wachstumsfonds auf Bundesebene.

Ob es tatsächlich gelingen wird, die Lücke kleiner werden zu lassen und mehr innovative Jungunternehmen aus Deutschland zu Global Playern aufzubauen, wird man erst in ein paar Jahren mit Gewissheit sagen können. Sich mit dem Erreichten zufrieden zu geben, darf und wird für die Venture Capital-Szene hierzulande keine Option sein. Denn wie ihre Portfolio-Unternehmen auch, haben sie ein Versprechen für die Zukunft gegeben. Wird es nicht eingehalten, dürfte das Vertrauen der institutionellen Investoren in die Anlageklasse rasch wieder sinken. Ein Szenario, das es zu vermeiden gilt.

 

Benjamin Heimlich, Redaktionsleiter VentureCapital Magazin

Benjamin Heimlich ist Redaktionsleiter des VentureCapital Magazin. Die inhaltliche Bandbreite seiner Berichterstattung reicht von Seed- über Start-up- bis hin zu Later Stage-Investments, Buy-outs und Investing-Themen. Heimlich schreibt seit August 2012 für das VentureCapital Magazin, zuvor absolvierte er sein Volontariat bei Müller Medien in Nürnberg.

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