ESG – Definition und Kriterien 

ESG ist die Abkürzung für Environmental, Social und (Corporate) Governance – Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Der Begriff ESG wird in der Finanzwelt mit der Rolle eines sozial verantwortlichen Investors in Verbindung gebracht, bei dem die Einbeziehung der oben genannten Aspekte bei Investitionen von essenzieller Bedeutung ist.

In der Welt des privaten Beteiligungskapitals hat das öffentliche Bewusstsein und die Präferenz der Investoren für eine nachhaltigere und langfristige Anlagestrategie den Fokus zunehmend auf ESG-Faktoren und ethische Investments gelenkt. Die LP-Perspektive-Studie von Private Equity International aus dem Jahr 2021 zeigt, dass Investoren ESG-Faktoren im Due-Diligence-Prozess eine entscheidende Bedeutung beimessen. Die Financial Times berichtete 2020, dass die Mehrheit der ESG-Fonds über einen Zehn-Jahres-Zeitraum eine bessere Performance als der breite Markt erzielte. Obwohl ESG-Faktoren derzeit kein notwendiger Bestandteil der Finanzberichte für börsennotierte Unternehmen sind, entscheiden sich immer mehr Unternehmen dafür sie einzubeziehen.

ESG-Historie

Das Konzept der Nachhaltigkeit wurde zum ersten Mal von Hans Carl von Carlowitz (geboren 1645) in seinem Buch zur Forstwirtschaft erwähnt. Heutzutage ist Nachhaltigkeit in aller Munde und kaum noch aus dem Investmentalltag wegzudenken. Fast jeder Fondsanbieter hat inzwischen einen nachhaltigen Fonds im Angebot und wirbt somit für die Einhaltung seiner definierten ESG-Standards. Zwischen der Erfindung der Nachhaltigkeitsidee und der heutigen Allgegenwärtigkeit von Nachhaltigkeit liegen allerdings mehrere Jahrhunderte.

Das erste Anlagevehikel mit sozialverantwortlicher Orientierung war der sogenannte US Pioneer Fund im Jahre 1928, welcher auf Investments in der Alkohol- und Tabakindustrie verzichtete. Diese Entscheidung wurde mit den negativen Auswirkungen von Alkohol und Tabak auf die menschliche Gesundheit begründet. Die erste weltweite Umwelt-Konferenz wurde 1972 von den Vereinten Nationen abgehalten. Hierbei wurden 26 Prinzipien entwickelt, welche die Wechselwirkungen zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Folgen für die Umwelt international platzierten. 1990 entstand mit dem „Domini 400 Social Index“ der erste Aktienindex für „soziales Investieren“ und ermöglichte somit Anlegern erstmals, auf Basis von nachhaltigen Aspekten zu investieren.

Die Investoreninitiative „Principles for Responsible Investment“ (PRI) wurde 2006 mit Unterstützung des UN-Umweltprogramms gegründet. Dieses internationale Investorennetzwerk hat es sich zum Ziel gesetzt, Investoren dabei zu unterstützen, Aspekte der Nachhaltigkeit in die Investitionsentscheidung einfließen zu lassen. Im Jahr 2015 wurden durch die 193 Länder der UN-Generalversammlung die Sustainable Development Goals (SDGs) mit dem Ziel verabschiedet, Treibhausgase zu reduzieren. 2018 wurden Assets im Wert von $30.6 Trillionen (AuM-Assets under Management) mit ESG-Ausrichtung verwaltet und sollen nach Meinung des globalen Anbieters Bloomberg im Jahr 2025 bis auf $140.5 Trillionen anwachsen. Zu diesem Zeitpunkt würden ESG-AuM dann mehr als ein Drittel der weltweiten AuM ausmachen.

ESG-Kriterien – wie viele gibt es?

ESG umfasst nicht nur die finanziellen Aspekte eines Investments. Über die ESG-Kriterien soll die Nachhaltigkeit eines Unternehmens und dessen Beitrag zur Gesellschaft abgebildet werden.

  • Environment

Environment bezieht sich hierbei auf die Wechselwirkung zwischen Unternehmen und Natur. So können Unternehmen durch ihre Produkte oder Wertschöpfungsketten sowohl einen positiven als auch einen negativen Einfluss auf Klima, Ressourcen, Wasser und Artenvielfalt haben. Folgende Punkte fallen dabei unter die erste Kategorie der ESG-Kriterien:

  • Umgang mit Klimawandel
  • Effizienter und verantwortungsbewusster Einsatz von begrenzten Ressourcen
  • Nachhaltiges Energiemanagement
  • Verminderung des ökologischen Fußabdrucks
  • Entsorgung von Rohstoffen und Abwasser
  • Social

Die zweite Kategorie der ESG-Kriterien spricht die Bedeutung von Unternehmen im sozialen Kontext an. Hierbei wird betrachtet, welchen Mehrwert das Unternehmen der Gesellschaft bringt. Folgende Punkte sind hierbei von Relevanz:

  • Arbeitsbedingungen und Arbeitnehmerschutz
  • Beachtung der Menschenrechte und Menschenwürde
  • Soziale Wirkung der Produkte auf die Gesellschaft
  • Sozial verantwortungsvolle Bedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette
  • Governance (Unternehmensführung)

Die dritte und abschließende Bedingung der ESG-Kriterien adressiert den Punkt der nachhaltigen und verantwortungsbewussten Unternehmensführung, welche interne Prozesse und Werte fördert, um Risiken vorzubeugen. Folgende Aspekte sind dabei gemeint:

  • Arbeitsbedingungen und Arbeitnehmerschutz
  • Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung
  • Steuerehrlichkeit
  • Bekämpfung von wettbewerbswidrigen Praktiken

ESG-Fonds

ESG Fonds sind Vehikel, in denen ESG-Kriterien in den Investitionsprozess miteinbezogen werden. Beispielsweise werden in derartigen Fonds Aktien von Unternehmen ausgeschlossen, die bestimmte Umweltanforderungen nicht erfüllen. Darüber hinaus werden keine Anleihen von Staaten gekauft, in denen die Menschenrechte verletzt werden.

Private Equity und ESG

Auch im Bereich Private Equity nehmen die drei Buchstaben E, S und G eine immer größere Bedeutung ein und haben in den letzten Jahren die Investitionslandschaft geprägt. Grundsätzlich streben Private Equity Unternehmen ein ausgewogenes Chancen-Risiko-Verhältnis an, das sich sehr gut mit den ESG-Prinzipien verbinden lässt. Dennoch gibt es in der Praxis einige Probleme und Hürden, die es zu überwinden gilt. Beispielsweise gibt es keine, beziehungsweise wenige voll etablierte KPIs (Key Performance Indicator), die sich mit dem ESG-Thema befassen. Daher ist es notwendig, dass diese individuell und gegebenenfalls branchenspezifisch entwickelt werden. Hierbei müssen Private Equity-Gesellschaften eine Menge Zeit und Ressourcen darauf verwenden, die geeigneten KPIs zu finden, zu sammeln und auszuwerten.

Das ESG-Thema im Private Equity-Sektor erstreckt sich dabei vor allem auf zwei Bereiche: Zum einen muss sichergestellt sein, dass die Private Equity-Gesellschaft selbst nach ESG-Maßstäben handelt, zum anderen müssen die Unternehmen, an denen Beteiligungen erworben werden, die Vorgaben einhalten.

In Bezug auf die Gesellschaft selbst kann dies beispielsweise durch einen ESG-Beauftragten erfolgen, der sich um die Einhaltung der Richtlinien kümmert. Des Weiteren umfassen die Aufgabengebiete außerdem Öffentlichkeitsarbeit und die Weiterentwicklung der Maßnahmen innerhalb der Private Equity-Gesellschaft. Dadurch, dass der ESG-Beauftragte des Private Equity-Fonds die an Nachhaltigkeit orientierten Fondsinvestoren über die ESG-Aktivitäten kontinuierlich auf dem Laufenden hält, ist eine Einhaltung der Richtlinien gesichert. Um aber eine ganzheitliche Betrachtung sicherzustellen, muss gewährleistet sein, dass auch die Portfoliounternehmen des Private Equity-Fonds sich dieses Themas annehmen.

Bei SHS nimmt das Thema ESG, sozial verantwortliches sowie ethisch orientiertes Investieren seit langer Zeit einen hohen Stellenwert in der strategischen Ausrichtung ein. So kümmert sich der ESG-Beauftragte Dr. André Zimmermann um die Implementierung der Maßnahmen und die Einhaltung der gesetzten Standards. Gleichzeitig erhalten die SHS Fondsinvestoren ESG-Berichte, die die diesbezüglichen Entwicklungen bei SHS und den Portfoliounternehmen aufzeigen.

ESG-Monitoring – Was ist das?

Ein wichtiges Element bei der Umsetzung einer nachhaltigen Investitionsstrategie im Private Equity-Bereich ist die Anwendung der ESG-Strategie über den gesamten Lebenszyklus der Fonds und deren Portfoliounternehmen hinweg.

Den Anfang bildet hier auf Portfolioebene die Beteiligungsprüfung im Vorfeld einer neuen Investition, bei der bereits nach kritischen ESG-Punkten oder ethischen Aspekten (Red Flags) Ausschau gehalten wird, die ein Investment ausschließen würden. Sollten hierbei unüberwindbare Aspekte auftauchen, erfolgt keine Beteiligung. Die initiale Überprüfung ist jedoch nur der erste Schritt im Hinblick auf die Begleitung der Portfoliounternehmen bezüglich der Durchsetzung der ESG-Themen durch SHS. Gemeinsam mit dem Management erarbeitet SHS einen Fahrplan zur schrittweisen Verbesserung des ESG-Status des jeweiligen Unternehmens.

Der ESG-Beauftragte bei SHS verfolgt und überprüft hierbei jährlich die Fortschritte. Die Weiterentwicklung der Portfoliounternehmen wird dabei über einen standardisierten ESG-Score erfasst und grafisch abgebildet. Dies erfolgt bis zum Zeitpunkt der Akquisition eines Portfoliounternehmens, in deren Rahmen man dem Käufer die ESG-Entwicklung als auch die umgesetzten Verbesserungen darlegen kann. Auf diesem Wege stellt SHS sicher, dass die Investments im Healthcare-Bereich über den gesamten Lebenszyklus der Beteiligung auch auf ESG-Ebene professionell begleitet werden.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Thema ESG in der heutigen Private Equity-Landschaft fest implementiert ist und vermutlich auch in Zukunft einen immer wichtigeren Stellenwert haben wird. Durch die breite Aufmerksamkeit in der öffentlichen Wahrnehmung und der Bereitschaft von Investorenseite sich diesem Thema zu verschreiben, erhalten Private Equity-Fonds, die ein ESG-konformes Investieren betreiben, mehr und mehr Zuspruch.

Gleichzeitig zeigen Analysedaten, dass ESG-orientiertes wirtschaftliches Handeln nicht mit einer Renditeeinbuße einhergeht, im Gegenteil: ESG-konforme Unternehmen steigern ihren Wert deutlicher als andere und werden wohl auch in Zukunft überproportional davon profitieren können.