21. Dezember 2021 - Presse Artikel

Stabilität: SHS-Medizintechnik-Index behauptet sich in der Krise

  • Medizintechnikmarkt in Deutschland im Jahr 2020 weiterhin auf hohem Niveau, aber mit leichten Einbußen
  • Pandemie hinterlässt positive wie negative Spuren bei den Medizintechnikunternehmen
  • SHS rechnet trotz Corona für 2021 mit einer besseren Entwicklung für die Medizintechnik als für die Gesamtwirtschaft in Deutschland
  • Die neuen regulatorischen Anforderungen (MDR) belasten nach wie vor viele kleine und mittlere Unternehmen (KMUs)

Der SHS-Medizintechnik-Index ist im ersten Jahr der Pandemie leicht zurückgegangen. Nach dem starken Anstieg in 2019 ist der Index im vergangenen Jahr um 0,3 Prozentpunkte gefallen – befindet sich aber nach wie vor auf einem hohen Niveau.

Nach dem sehr starken Wachstum im Jahr 2019 hat die deutsche Medizintechnik in 2020 eine Verschnaufpause eingelegt. Dies lässt sich sehr gut anhand des SHS-Medizintechnik-Index 2020 ablesen, berichtet die SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement mbH aus Tübingen, die den Index gemeinsam mit Professor Dr. Christian Koziol, Lehrstuhlinhaber Finance an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, entwickelt hat.

Der im Jahr 2019 erstmals erstellte SHS-Medizintechnik-Index bildet die Wachstumsfähigkeit, die Innovationskraft und die wirtschaftliche Leistung der Medizintechnik-Branche seit 2010 im Vergleich zur Gesamtwirtschaft ab. In die Berechnung des Index fließen folgende Datenreihen ein: Anzahl der erteilten Patente, Umsatz bzw. BIP, Zahl der Erwerbstätigen und die Aktienkurse.

„Die ermittelten Zahlen weisen darauf hin“, so Professor Koziol, „dass die Medizintechnik auch im ersten Jahr der Corona-Pandemie im Vergleich zur Gesamtwirtschaft in Summe weniger schwankend ist. Allerdings zeigt sich bei einem differenzierteren Blick, dass die Pandemie zum Teil sehr gegenläufige Effekte auf Unternehmen einzelner Subbranchen in der Medizintechnik ausgeübt hat. Medizintechnik-Unternehmen aus dem Bereich elektiver Eingriffe wie zum Beispiel Hersteller von Dental-Implantaten und sogar Herzkathetern haben mehr gelitten, weil Operationen oder Untersuchungen aufgeschoben wurden. Anbieter aus dem Bereich Atemunterstützung und Diagnostik sind teilweise signifikant gewachsen.“

Der Rückgang des Medizintechnik-Index ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen, die in die Index-Berechnung mit einfließen. Zwar konnte die Medizintechnik-Branche den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um ca. 2 % leicht steigern (gegenläufig zum Rückgang des BIP in Deutschland), aber dafür ging die Anzahl der Beschäftigten in der Branche um 4 % substantiell zurück, das heißt es wurden mehr als 7.500 Arbeitsplätze abgebaut. Dieser Schritt dürfte primär bei den umsatzseitig negativ betroffenen Unternehmen aus Vorsichtsgründen erfolgt sein. Gleichzeitig sank der DAX Pharma &Healthcare-Index an der Börse um 6 % – gegen den positiven Gesamttrend des DAX 30. Am auffälligsten ist jedoch der starke Rückgang der erteilten Medizintechnik-Patente in 2020, die einen Einbruch um 13 % aufweisen. Ob dieser Rückgang direkt oder indirekt mit der Pandemie zusammenhängt, lässt sich aktuell nicht mit Sicherheit sagen. Möglicherweise hat die Branche die Ausgaben im Bereich Innovation vor dem Hintergrund der ungewissen Lage substanziell zurückgefahren. Allerdings weist eine Umfrage des Branchenverbands BVmed unter den  Mitgliedsunternehmen im Herbst 2020 in diese Richtung. 22 % der dort befragten Unternehmen mussten ihre Forschungsausgaben verringern – im Vorjahr waren es 7 %. Eine weitere mögliche Ursache kann aber auch die Nachwirkung der großen regulatorischen Umstellung auf die MDR sein, die dazu geführt hat, dass sich gerade die sonst so innovationsstarken kleineren und mittelständischen Unternehmen auf die neuen Zulassungsanforderungen fokussieren mussten und aus Kosten- sowie Kapazitätsgründen weniger in F&E investieren konnten. „Sollte dies tatsächlich der Fall sein, so wäre das eine fatale Entwicklung, da gerade die KMUs auf solche Innovationen angewiesen sind. Die Notwendigkeit von Innovationen für das Überleben von KMUs zeigt sich allein schon an der Tatsache, dass ein neues Medizintechnikprodukt durchschnittlich nach nur wenigen Jahren durch ein weiterentwickeltes Produkt ersetzt wird“, erläutert Dr. André Zimmermann, Partner bei der SHS.

Für das laufende Jahr 2021 sind die Ersteller des SHS-Medizintechnik-Index vorsichtig optimistisch und rechnen weiterhin mit einer besseren Performance des Medizintechnik-Sektors im Vergleich zur Gesamtwirtschaft. „Die Corona-Krise hat in 2020 und wird auch in 2021 ihre Spuren in der deutschen Medizintechnikindustrie hinterlassen“, sagt Dr. Zimmermann. „Allerdings erwarten wir für 2021 eine schrittweise Rückkehr zu mehr Normalität über die gesamte Branche hinweg, die dann hoffentlich in 2022 wieder komplett erreicht wird. Auf jeden Fall hat die Pandemie gezeigt, wie lebenswichtig ein gut funktionierendes Gesundheitssystem ist, und es ist klar zu erkennen, der Stellenwert der Branche in der Bevölkerung ist gestiegen.“

Die in Deutschland sehr mittelständisch geprägte Medizintechnik-Industrie wird nach der Pandemie weitere Aufgaben zeitnah bewältigen müssen. Regulatorische Hürden und Digitalisierung sind Felder, die substantielle Investitionen erfordern, aber an die kein Unternehmen vorbeikommt. Hinzu kommt der steigende Kostendruck, um die Gesundheitssysteme in alternden Gesellschaften weiterhin finanzieren zu können. Vor allem für kleinere und mittlere Medizintechnik-Unternehmen sind dies große Herausforderungen, die zügig angegangen werden müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, so die Empfehlung des Brancheninvestors.

„Eine zunehmende Anzahl mittelständischer Unternehmer in der Medizintechnik erkennt, dass Investitionen in Regulatorik und vor allem Digitalisierung notwendig sind, um sich auch in Zukunft gut am Markt positionieren zu können“, sagt Manfred Ulmer-Weber von der SHS. „Die Corona-Pandemie hat den Digitalisierungsdruck dabei noch einmal stark beschleunigt. Wir sind der Ansicht, dass gerade jetzt aktive Unternehmen ihre Marktposition durch eine kluge Strategie und ausreichend Eigenkapital ausbauen können. Auf diesem Weg haben wir als erfahrener Branchen-Investor Unternehmen in der Vergangenheit mehrfach erfolgreich begleitet und unterstützt. Diese Form der Partnerschaft beabsichtigen wir auch in den nächsten Quartalen kontinuierlich fortzusetzen. Wir wollen innovative mittelständische Medizintechnik-Unternehmen ganz gezielt mit einer Stärkung ihrer Eigenkapitalquote unterstützen und ihnen mit den zusätzlichen Finanzmitteln sowie über unser Netzwerk die Expansion erleichtern.“

Der SHS-Medizintechnik-Index

Der SHS-Medizintechnik-Index wurde von der SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement in Kooperation mit Professor Dr. Christian Koziol von der Eberhard Karls Universität Tübingen entwickelt. Betrachtet wird die Entwicklung der Medizintechnik-Branche seit 2010. Der Wert im Basisjahr 2010 entspricht 100 Prozent. Der Index erfasst und vergleicht Wachstumspotential, Innovationskraft und wirtschaftliche Leistung der deutschen Medizintechnikbranche mit der deutschen Gesamtwirtschaft. Hierzu werden volkswirtschaftliche Kennzahlen (Anzahl der Patentzulassungen, Umsatz bzw. BIP, Zahl der Erwerbstätigen, Aktienkurse) sowohl für die Medizintechnik-Branche als auch die Gesamtwirtschaft erfasst und analysiert. Die Daten wurden mit Hilfe eines mathematischen Modells normiert und fließen gewichtet in den Index ein. Der Index wird jährlich aktualisiert.

Über die SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement mbH:

„Building European Healthcare Champions“ ist das Leitmotiv des Tübinger Brancheninvestors SHS. In diesem Sinne finanziert und entwickelt der auf Healthcare-Beteiligungen spezialisierte Investor seine Portfoliounternehmen. Der Fokus der Investitionen liegt dabei seit der Gründung 1993 auf Expansionsfinanzierungen, Gesellschafterwechsel und Nachfolgesituationen. Dabei geht SHS sowohl Minderheits- als auch Mehrheitsbeteiligungen ein. Zu den Investoren der SHS-Fonds gehören etwa Pensionsfonds, Dachfonds, Family Offices, Unternehmer, strategische Investoren und das SHS-Managementteam. Das Eigenkapital-Investment der AIFM-registrierten Gesellschaft beträgt bis zu 20 Mio. EUR. Darüber hinausgehende Volumina können mit einem Netzwerk von Co-Investoren umgesetzt werden. Bei den Investitionsentscheidungen legt SHS starkes Gewicht auf die Berücksichtigung von ethischen Aspekten. So hat sich die Beteiligungsgesellschaft dem Prinzip des Socially Responsible Investings (SRI) verpflichtet und ist Mitglied bei UN PRI, einer vom UN-Umweltprogramm ins Leben gerufenen Investoreninitiative. Deren Mitglieder legen sich vertraglich fest, bei ihren Investitionen ökologische und soziale Richtlinien einzuhalten. Zu den SHS Portfoliounternehmen gehören beispielsweise die auf Schlaganfallbehandlungen spezialisierte Phenox GmbH aus Bochum, der Drug Delivery Experte Develco Pharma AG mit Sitz in der Schweiz und Deutschland sowie das niederländische Wachstumsunternehmen Salvia BioElectronics B.V., welches mittels minimalinvasiver Neurostimulation die Behandlung von neurologischen Erkrankungen ermöglicht. Aktuell investiert SHS aus ihrem fünften Fonds, der 2018 aufgelegt wurde.

Weitere Informationen unter: http://www.shs-capital.eu